Methode

Der historische Ursprung ist die Sage vom Orakel von Delphi und liegt damit rund 2800 Jahre zurück.

Die wissenschftliche Methodik der Delphi Befragungen hat ihren Usprung in den 1960er Jahren und wurde vom RAND Institut entwickelt. Seither hat es zahlreiche Weiterentwicklungen gegeben.

Die Methode zeichnet sich dadurch aus, dass Expertinnen und Experten in mehreren Runde eingeladen werden, ihr Feedback zu bestimmten Fragestellungen abzugeben. Dabei wird pro Runde den Expertinnen und Experten die Antworten der Vorgängerunde anonym statistisch zurückgespiegelt. Die Delphi Methode geht davon aus, dass die Summe von Expertenmeinungen besser als eine Einzelmeinung ist. Die Methode eignet sich unter anderem dann, wenn ein Insiderwissen für eine Problemstellung nötig ist.

Die Grenzen einer Delphi Befragung sind unter anderem dadurch gegeben, dass Expertinnen und Experten auch kollektiv Fehleinschätzungen abgeben können. Ein bekanntes Beispiel für eine Fehleinschätzung ist ein Zitat von Thomas Watson (IBM), der den Weltmark für Computer im Jahr 1943 auf 5 Computer einschätzte.

Delphi Befragungen können zur Ideenaggregation,  zur Vorhersage eines unsicheren Sachverhalts, zur Ermittlung der Ansichten über einen diffusen Sachverhalt oder zur Konsensbildung unter Teilnehmer einsetzt werden.[1] Der Einsatz der Delphi Methode ist sehr zeitaufwändig, da die Experten über mehrere Runden befragt werden.

Die klassische Delphi Methode hat folgende Merkmale:

  • „Die Verwendung eines formalisierten Fragebogens.
  • Die Befragung von Experten.
  • Die Anonymität der Einzelantworten.
  • Die Ermittlung einer statistischen Gruppenantwort.
  • Die Information der Teilnehmer über diese statistische Gruppenantwort (Feedback).
  • Eine (mehrfache) Wiederholung der Befragung nach dem beschriebenen Vorgehen.“ [2]

 

Der typische Ablauf ist daher:

  1. Expertinnen und Experten werden über ihre Einschätzung zu einem bestimmen Sachverhalt oder Problemstellung gefragt. Dies geschieht im vorliegenen Fall mittels Computerunterstützung.
  2. Die Antworten werden ausgewertet und erneut vorgelegt. Die Expertinnen und Experten können nun ihre Ansichten und Antworten überdenken und präzisieren. Dabei können neue Ideen entstehen. Durch die Anonymität entsteht kein Druck, sich an vorherrschende Meinungen anzupassen.
  3. Die neuen Ansätze werden rundenbasiert den Expertinnen und Experten vorgelegt.
  4. Die Schritte 1-3 lassen sich nun wiederholen, üblich sind 2 bis 4 Runden.

 

 

[1] Vergleiche dazu: Häder, Michael: Delphi-Befragungen, Springer VS, 2014, Seite 31ff.

[2] Häder, Michael: Delphi-Befragungen, Springer VS, 2014, Seite 25.